Wissenswertes

Was versteht man unter (Individual-) Feedback?

Feedback ist eine Rückmeldung an eine Person

Im Bereich von Schule und Unterricht gibt es verschiedene Formen von Feedback: Lehrende geben ihren Schülerinnen und Schülern Feedback zu ihrem Lernfortschritt. Schüler/innen geben den Lehrenden Feedback darüber, wie der Unterricht bei ihnen ankommt. Lehrende geben sich gegenseitig Feedback (auch als kollegiales Feedback bekannt).

IFB online fokussiert auf Individualfeedback von Lernenden an Lehrende, also jedes Feedback, das Schülerinnen und Schüler ihren Lehrerinnen und Lehrern im Hinblick auf bestimmte Aspekte ihres Unterrichts geben. Im schulischen Qualitätsmanagement wird das Feedback von Lernenden an Lehrende als Individualfeedback bezeichnet, da es sich um Rückmeldungen zum professionellen Handeln einer einzelnen Person handelt.

Warum und wozu Schüler/innen- Feedback?

Rückmeldungen von Lernenden sind nützlich und wichtig. Sie können langfristig die Unterrichtsqualität verbessern, zu einem besseren gegenseitigen Verständnis von Schüler/innen und Lehrer/innen beitragen und die beiderseitige Zufriedenheit mit dem Unterricht erhöhen. 

Feedback im Kontext Schule hat in Form von Rückmeldungen von Lehrer/innen an Schüler/innen eine lange Tradition. Der Bildungsforscher John Hattie hat auf die Wirksamkeit von gutem Feedback an Schüler/innen hingewiesen: Es beeinflusst die Leistungen der Lernenden positiv, wenn sie Informationen zu ihrem Lernfortschritt bzw. den zu überwindenden Hindernissen auf dem Weg zu neuen Lernfortschritten erhalten. Für einen Lehrer oder eine Lehrerin ist es durchaus anspruchsvoll und aufwändig, derartiges „lernwirksames“ Feedback an Schüler/innen zu geben.

Hatties Studien zeigen allerdings, dass es für den Lernerfolg der Schüler/innen noch wichtiger ist, dass Lehrende sich Feedback zu ihrem Unterricht von den Lernenden einholen. Für eine gute Entwicklung von Leistungen und Lernfortschritten braucht es also beides: Feedback von den Lehrenden an die Lernenden und  Feedback von den Lernenden an die Lehrenden. IFB online unterstützt Lehrerinnen und Lehrer dabei, auf verschiedene Arten und Weisen Feedback von ihren Schüler/innen einzuholen.

Durch Feedback von Schülerinnen und Schülern an ihre Lehrerinnen und Lehrer ist es möglich ...

...  zu erfahren, wie der Unterricht bei den Lernenden ankommt; 
...  Anstöße für die Verbesserung des Unterrichts zu bekommen; 
...  Anerkennung und positive Rückmeldungen zu verschiedenen Aspekten des Unterrichts zu bekommen; 
...  eigene Stärken und Schwächen als Lehrende/r zu erkennen und einen gesunden Umgang damit zu entwickeln; 
...  in besseren Kontakt mit den Lernenden zu kommen;  
...  eine professionelle, reflexive Berufspraxis zu entwickeln und die eigene Reflexionsfähigkeit zu stärken. 

 

Welche Haltung ist hilfreich?

Zentral ist, dass Lehrende sich auf den Feedback-Prozess einlassen, indem sie versuchen, den von ihnen geplanten und umgesetzten Unterricht aus der Sicht der Schüler/innen zu sehen. Es sind die Lernenden, die ihnen sagen können, was von den Zielen, Inhalten, Methoden oder eingesetzten Medien bei ihnen angekommen ist.  

Damit Feedback zu einem wirksamen Instrument mit positiven Auswirkungen werden kann, ist die richtige Haltung der Beteiligten wesentlich. Vor allem die Haltung und Herangehensweise der Lehrenden ist ein wesentlicher Faktor, der zu einem guten Umgang mit Ergebnissen und möglichen Verbesserungen beiträgt.

Damit Feedback für den Unterricht wirksam werden kann, sind zwei Aspekte wichtig:

  1. Als Lehrende/r bin ich offen für die Rückmeldungen der Lernenden. Ich habe ehrliches Interesse an ihrem Feedback.
  2. Das Feedback wird von mir eingeholt, um meinen Unterricht in Kooperation mit den Lernenden zu verbessern

Das erfolgreiche Arbeiten mit dem Feedback von Schülerinnen und Schülern setzt nicht nur bei den einzelnen Lehrer/innen, sondern auch in der Schule selbst einen positiven Umgang mit Fehlern voraus. Eine Schulkultur, in der die Lehrerinnen und Lehrer keine Fehler machen dürfen, immer alles richtig machen müssen und in der es verboten ist, über Fehler zu sprechen, ist nicht vereinbar mit dem Feedback-Konzept. Bei der Umsetzung von Feedback geht es ja gerade darum, den „Fehlern“ auf die Spur zu kommen und gemeinsam mit den Lernenden Lösungen zur laufenden Verbesserung des Unterrichts zu erarbeiten. „Lernen heißt Fehler machen – Lehren übrigens auch.“ (John Hattie & Klaus Zierer 2017*, S. 145)

Feedback nehmen und geben

Feedback wird in vielen  Situationen als persönliches, mündliches Feedback eingeholt. Auch bei einigen der auf IFB online zur Verfügung gestellten Methoden spielt der verbale Ausdruck von Feedback eine Rolle. Damit daraus eine für alle Beteiligte konstruktive und sinnvolle Erfahrung resultiert, sind auf beiden Seiten verschiedene Aspekte zu beachten.

Wenn man um Feedback bittet - also Feedbacknehmer/in ist -, dann sollte man auf folgende Punkte achten: 

  1. Ich lasse meine Feedbackgeber/innen ausreden und unterbreche nicht, während sie sprechen.
  2. Ich  höre gut und genau zu.
  3. Ich versuche, mich nicht sofort zu rechtfertigen oder zu verteidigen. Die Person, die mir Feedback gibt, beschreibt nur, wie sie mich wahrnimmt, das heißt nicht zwangsläufig, dass ich genauso bin. Vermutlich werden mich verschiedene Personen unterschiedlich wahrnehmen.
  4. Sollte es offene Fragen oder Punkte geben, die mir nicht ganz klar sind, so frage ich nach und versuche zu verstehen.
  5. Ich bedanke mich abschließend für das Feedback.
  6. Ich denke über die Rückmeldungen meiner Feedbackgeber/innen nach und versuche mein eigenes Handeln darauf abzustimmen. Meine Stärken versuche ich weiter auszubauen, bei meinen Schwächen versuche ich Verbesserungen umzusetzen.

Wenn man jemandem Feedback gibt - also Feedbackgeber/in ist - , dann sollte man auf folgende Punkte achten:

  1. Ich versuche Stärken und Schwächen einer Person zu benennen und achte darauf, dass ich mit den Stärken beginne; das macht es der Person leichter, auch die von mir gesehenen Schwächen wahrzunehmen.
  2. Ich versuche mit meinem Feedback möglichst klar zu beschreiben, was ich wahrnehme („Ich habe bemerkt, dass Sie uns mehrmals zur Mitarbeit aufgefordert haben.“) und versuche, Bewertungen zu vermeiden („Die ganze Stunde kam mir völlig sinnlos vor!“).
  3. Ich versuche möglichst konkrete Rückmeldungen zu geben und vermeide allgemeine, pauschale Rückmeldungen („Das bringt alles gar nichts.“).
  4. Besonders, wenn ich Verbesserungsvorschläge formuliere, versuche ich konkret zu benennen, was ich mir wünsche („Ich schlage vor, dass wir im nächsten Semester eine Vereinbarung treffen, die klar regelt, wie wir uns auf die Abschlussprüfung vorbereiten.“).
  5. Ich formuliere meine Rückmeldungen in der Ich-Form („Ich habe beobachtet, dass …“). Damit bringe ich auch zum Ausdruck, dass es sich um meine persönliche Meinung handelt, andere Personen können anderer Meinung sein.
  6. Ich versuche so freundlich und konstruktiv wie möglich zu sein, damit die Person, der ich mein Feedback gebe, das Feedback annehmen und daraus lernen kann.
  7. Ich bin ehrlich. Alles, was ich sage, ist wahr, aber ich sage nicht alles, was wahr ist.

Aus diesen Richtlinien lassen sich erstrebenswerte Feedback-Methoden ableiten. Ein gutes mündliches Feedback ...

... hat einen positiven Einstieg, 
... ist beschreibend und beobachtend, 
... vermeidet Abwertungen,
... ist konkret und präzise, 
... ist brauchbar und umsetzbar, 
... wird vom Feedbackgeber mit Ich-Botschaften übermittelt, 
... ist freundlich und einladend. 

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Wie führt man ein Individualfeedback durch?

Die Durchführung eines Individualfeedbacks muss nicht besonders aufwändig oder kompliziert sein. Die folgenden Schritte helfen dabei, dass der Ablauf möglichst einfach und problemlos erfolgt:

VOR dem Feedback

Zu Anfang sind ein paar Überlegungen und etwas Planung notwendig. Zu welchen Aspekten des Unterrichts soll Feedback eingeholt werden? Es empfiehlt sich, nicht zu viel auf einmal zu behandeln - besser ist es, ein paar spezielle Themen auszuwählen (z. B. Gestaltung der Lehr- und Lernformen oder Ursachen für Unterrichtsstörungen).

Basierend auf dem Feedbackthema wird dann eine geeignete Methode ausgewählt. IFB online bietet eine Sammlung einfacher, erprobter Feedbackmethoden mitsamt Anleitungen und Informationen (zu Dauer, Aufwand, Materialien...), welche die Auswahl erleichtern sollen. Für manche Feedbackthemen kann auch ein Fragebogen sinnvoll sein - auf IFB online steht ein Standardfragebogen zur Verfügung, aus dem einzelne Fragen oder Gruppen von Fragen übernommen und mit selbst erstellten Fragen kombiniert werden können.

Anschließend folgen konkrete Vorbereitungen wie die zeitliche Einplanung des Feedbacks und die Bereitstellung der Materialien.

Feedback einholen

Die geplante Methode wird angewendet und das Feedback eingeholt. Vielleicht funktioniert nicht immer alles wie geplant - aber das gehört dazu. Je öfter Feedbacks durchgeführt und verschiedene Methoden verwendet werden, desto versierter wird man. Allgemeine Richtlinien zum Geben und Nehmen von Feedback helfen dabei.

NACH dem Feedback

Wenn das Feedback eingeholt wurde, sollte man sich in Ruhe mit den Ergebnissen auseinandersetzen, insbesondere mit jenen, die sich nicht mit den eigenen Erwartungen decken. Bei manchen Feedbackmethoden (z. B. Fragebogen) ist es notwendig, die Lernenden in einem gesonderten Schritt über die Ergebnisse zu informieren und eine gemeinsame Interpretation vorzunehmen.

Aus den Ergebnissen leitet sich im letzten Schritt der Handlungsbedarf für mögliche Verbesserungen in der eigenen Tätigkeit ab. Bei der Planung von Veränderungen im Unterricht hilft bspw. ein Maßnahmenplan, der einen guten Überblick bei der Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen bietet.

Eine detaillierte Anleitung zur Durchführung eines Individualfeedbacks in Anlehnung an das PDCA-Schema können Sie hier downloaden.

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Literaturhinweise

Hier finden Sie eine Literatur-Auswahl zum Thema Individual-Feedback inklusive Primarstufe:

Affolter, B., Schneider, T., Schütz, D. & Wahlen, H. (2004): Evaluation des persönlichen Unterrichts. Ein Materialpaket. Praktische Hinweise, Ideen, Materialien, Konzepte. Bern: Zentralstelle für Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung (MP ZS LLFB). Online verfügbar: qims.ch:https://www.mobilesport.ch/aktuell/feedback-methode-drei-oder-vier-ecken/.

Bastian, J., Combe, A., Langer, R. (2016): Feedback-Methoden. Erprobte Konzepte, evaluierte Erfahrungen, 4. Aufl. Weinheim und Basel: Beltz.

Cwik, G. (2009): Methoden-, Kommunikations- und Kooperationskompetenz. In: Cwik, G. (Hrsg): 2009. Selbstständiges Lernen unterstützen, 5. Aufl. 2013. Berlin: Cornelson Scriptor.

Dudley, P. (2011): Lesson Study: Ein Handbuch. Online verfügbar http://lessonstudy.co.uk/wp-content/uploads/2016/01/Handbook-Lesson-Study_German-Version-2015.pdf.

Hammerer, F. (2012): Kindgemäße Lernformen im Unterricht der Grundschule - selbstgesteuertes Lernen in offenen Lernsituationen. In: Wolf, W., Freund, J. & Boyer, L. (Hrsg.): 2012. Beiträge zur Pädagogik und Didaktik der Grundschule. Wien: Jugend und Volk.

Hattie, J. (2013): Lernen sichtbar machen. Überarbeitete deutschsprachige Ausgabe von „Visible Learning“ besorgt von Wolfgang Beywl und Klaus Zierer. Baltmannsweiler: Schneider. 

Hattie, J., Zierer, K. (2017): Kenne deinen Einfluß! „Visible Learning für die Unterrichtspraxis“., 2. Aufl. Baltmannsweiler: Schneider.

Helmke, A. (2015): Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts. Seelze: Klett/Kallmeyer.

Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung (IfBQ), D-20537 Hamburg. Die Ratingkonferenz. Kurzbeschreibung für inspizierte Schulen. 2012, Online verfügbar: http://www.schulentwicklung.nrw.de/e/upload/schulinterneevaluation/kurzbeschreibung_die_ratingkonferenz.pdf.

Keller, H., Heinemann, E. & Kruse, M. (2012): Die Ratingkonferenz - Eine Kombination von Kurzfragebogen und Gruppeninterview. Zeitschrift für Evaluation 2/2012, 287-298. Online verfügbar: http://www.hkeller.ch/publikationen/2-2012_Keller_et_al_Die_Ratingkonferenz_END.pdf.

Klippert, H. (2019): Reflexions- und Feedbackkarten für die Grundschule: 48 farbige Karten mit Impulsen zur Reflexion von Verhalten und Unterricht in den Klassen 1 bis 4. Donauwörth: Auer.

Mithra, S. (2013): Klasse präsentiert!: 136 Beobachtungs- und Feedback-Karten für Präsentationen. Mülheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr.

Qualitäts- und Unterstützungsagentur - Landesinstitut für Schule (QUA-LiS NRW), D-59494 Soest. Methodensammlung. 027 Fünf-Finger-Rückmeldung. Online verfügbar: https://www.schulentwicklung.nrw.de/methodensammlung/karte.php?karte=027.

Qualitäts- und Unterstützungsagentur - Landesinstitut für Schule (QUA-LiS NRW), D-59494 Soest. Methodensammlung. 122 Wetterkarte. Online verfügbar: http://www.schulentwicklung.nrw.de/methodensammlung/karte.php?karte=122.

Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Sport BASPO, CH-2532 Magglingen. qims.ch Qualität im Sport- und Bewegungsunterricht. Instrumentenbox. 10.-12. Schuljahr Berufsschule. Kurz-Feedback-Methoden. Online verfügbar: www.sport.admin.ch/q-shop/instrumentenbox.phb.

Schuler, M. (2019): Top-Ten-Tipps zur besseren Bewertung des Lernens und Lehrens dank Ampelbechern. Online verfügbar: www.lernensichtbarmachen.net.

Wernke, S. (2019): Praxis „Feedback“ Eine Gebrauchsanleitung für Schule und Unterrichte. Beilage zum Friedrich Jahresheft 2019. Seelze: Friedrich.

Wisniewski, B., Zierer, K. (2017): Visible Feedback. Ein Leitfaden für erfolgreiches Unterrichtsfeedback. Baltmannsweiler: Schneider.

Zentrum für Hochschul- und Qualitätsentwicklung, Team Hochschuldidaktik, Ladwig, A., Auferkorte-Michalis, N. (2012): Feedback-Methoden im Lehralltag. Universität Duisburg-Essen, S. 3, Online verfügbar: https://www.uni-due.de/imperia/md/content/zfh/feedbackmethodenbar_2012.pdf.

 

Die Online-Quellen wurden am 20.01.2020 abgerufen.